Borgward  Sport

DREI ECHTE LIEBHABER UND IHRE GESCHICHTE

Einer Automobilmarke auch 50 Jahre nach ihrem Verschwinden die Treue zu halten; dafür kann es nur einen Grund geben: echte Liebe. Dass Automobile der Marke BORGWARD in den letzten Jahrzehnten nicht in Vergessenheit geraten sind, ist das Verdienst engagierter Liebhaber. Sie haben das Andenken hochgehalten – und die legendären Automobile auf der Straße.


Henry Preneux

Passion

Henry Preneux weiß noch genau, wann er sich in seinen ersten BORGWARD verliebt hat. In dem Bielefelder Stadtteil, in dem er aufwuchs und zur Schule ging, besaß ein Unternehmer eine elfenbeinfarbene Isabella TS de Luxe. „Als Grundschüler bin ich da jeden Morgen dran vorbeigelaufen“, erzählt der 66-Jährige. „Ich wusste natürlich, dass so eine Isabella ein richtig schnelles Auto war. Und fand sie mit ihren rundlichen Formen einfach bildschön.“ Das ist bis heute so geblieben.

Der bestens etablierte Teile-Versorger und Restaurator musste aber noch 25 Jahre bis zu seinem ersten eigenen BORGWARD warten. Als Hobby gedacht, war der Kauf der Isabella eine Entscheidung, die das Leben des gelernten Kaufmanns nachhaltig verändern sollte. Sein Schlüsselerlebnis hatte er beim Besuch eines Oldtimer-Markts: „Mir ist die unprofessionelle Struktur sofort aufgefallen“, erinnert er sich. „Und ich habe mir gedacht, dass man das besser machen kann.“

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Mit 37 Jahren wagt er den Sprung ins kalte Wasser. Er kündigt seinem Arbeitgeber und beschließt, unterstützt von Frau Angelika, fortan ganz auf BORGWARD zu setzen. Neben der Teile-Nachfertigung widmet sich Henry Preneux auch der Total-Restaurierung von historischen BORGWARD-Fahrzeugen.

Vor allem den Kontakt zu BORGWARD-Fans aus aller Welt schätzt Henry Preneux. Mit vielen aus seiner 3.500 Adressen umfassenden Kundenkartei haben sich inzwischen tiefe Freundschaften, bis nach Israel, entwickelt.

„Vom Wohnzimmer laufe ich nur zehn Meter in die Werkstatt.“ Preneux hat sich seinen Lebenstraum verwirklicht. Sein Ruf in der Szene als Experte ist unumstritten. Mehr als 65 Totalrestaurationen kamen in den 30 Jahren zustande. BORGWARD ist für Henry Preneux vor allem Isabella – und zwei Fahrzeugen gilt seine besondere Liebe: dem wie ein Neufahrzeug dastehenden Kombi, den er seit mehr als 30 Jahren bewegt, sowie einer unscheinbaren Standard-Limousine, die im hinteren Bereich des Grundstücks im Freien ein trauriges Dasein fristet. „Das ist meine Isabella Standard, die ich 1982 gekauft habe – nach drei Jahren aber wieder abgegeben habe.“ Das Fahrzeug konnte er kürzlich zurückkaufen. Die Isabella, mit der alles anfing, wieder in den Neuzustand zu versetzen – das wird Henry Preneux´s nächstes großes Projekt.


Oskar Pfeiffer

Oskar Pfeiffer

Für Oskar Pfeffer war die Entscheidung klar. Sein erstes eigenes Auto konnte nur eine Isabella sein. Der 20-Jährige Metaller wollte ein Auto mit viel Platz, mit dem man aber „auch mal sportlich fahren konnte“. Weil ihm 1960 noch das Geld für eine neue Isabella fehlte, musste es eine gebrauchte sein. Der gebürtige Frankfurter fuhr mit einem Freund nach Wiesbaden und erwarb für 1.500 Mark eine Standard-Isabella von 1954. Schon auf dem Rückweg ließ er den Freund im Opel weit hinter sich.

Seither hat Oskar Pfeffers Begeisterung für die Marke nicht nachgelassen. Nicht einmal der Konkurs von 1961 konnte daran etwas ändern – Pfeffer knüpfte ein Netzwerk aus BORGWARD-Enthusiasten und begann in den Sechzigern, nach und nach BORGWARD-Fahrzeuge zu kaufen, für die sich kaum noch jemand interessierte. Sogar die sechs Jahre währende Auswanderung in die USA nutzte er, um seine Sammlung mit ehemals exportierten BORGWARDs zu vergrößern.

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Nach seiner Rückkehr umfasste die Sammlung zeitweise mehr als 30 Fahrzeuge. Darunter auch der extreme seltene Hansa 2400 Pullman. Pfeffer ist der einzige Sammler, der alle drei Varianten des Oberklasse-BORGWARDs in fahrfähigem Zustand gleichzeitig besessen hat. Ein Schmuckstück auch der letzte, jemals neu registrierte P 100, der bis heute gerade mal 60.000 Kilometer gelaufen hat. In den letzten Jahren hat sich der inzwischen 74-Jährige von Teilen seiner Sammlung getrennt. „Carl F. W. Borgward hat mein ganzes Leben bestimmt,“ resümiert Oskar Pfeffer. Mit seiner ungebrochenen Begeisterung für die Marke hat er vor allem einen Wunsch: dass BORGWARD wieder Autos baut.


Ulrich Koböke

Ulrich Koböke

Ulrich Koböke besitzt eine der größten Sammlungen mit BORGWARD-Modellautos. Aber die Verbissenheit vieler Sammler ist dem 69-Jährigen fremd. Er sieht sich einfach als BORGWARD-Fan, der seit frühester Jugend Modellautos sammelt – ob es sich dabei um 50- bis 60-Jährige Originale handelt oder zeitgenössische 1:43-Modelle aus chinesischer Produktion. „Ich genieße es einfach, jeden Tag von so vielen BORGWARDs umgeben zu sein”, erklärt er.

Seine Sammlung beinhaltet einige absolute Raritäten, wie die 1:43 Kunststoffmodelle der Isabella und des Isabella Coupé, die auf Pappschachteln mit dem BORGWARD-Logo stehen. Die seltenen Stücke wurden den BORGWARD-Händlern gerne vom Werk als Geschenk für Kunden nahegelegt und exklusiv dafür produziert.

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Kobökes Leidenschaft für BORGWARD ist familiär verankert. Sein Vater besaß eine Glaserei und lieferte seine Ware mit Transportern von BORGWARD aus. Außerdem stand für private Fahrten eine Isabella in der heimischen Garage. Nach der Schule durfte Koböke mit Sondergenehmigung bereits als 17-Jähriger regelmäßig am Steuer eines BORGWARD B 611 Transporters Auslieferungsfahrten erledigen. Nach der BORGWARD-Liquidation erinnerten freilich nur noch die Modellautos an diese Zeiten.

Mitte der 1970er Jahre entdeckte Ulrich Koböke seine Freude am Restaurieren ausrangierter BORGWARDs. Beim Besuch von Teilemärkten kam auch stets das ein oder andere Stück für die Modellsammlung hinzu. Mit den Jahren wuchs aber auch die Zahl an 1:1-Modellen. Sein Favorit ist ein Isabella Coupé Cabriolet von 1959, das er 1982 nach langer Suche erstehen konnte. Außerdem ist er stolzer Besitzer von einem der seltenen B 611 Transporter, die noch 1961 gebaut wurden – das gleiche Fahrzeug, auf dem er früher seine Auslieferungsfahrten unternommen hatte. Der Borgward-Liebhaber und Wein-Spezialist hat sich inzwischen von einigen Fahrzeugen getrennt – niemals aber würde er das Cabriolet hergeben: „An einem lauen Sommerabend über die Landstraßen rund um Paderborn zu fahren und mit offenem Dach die frische Luft zu genießen – das ist eines der größten Vergnügen überhaupt.“

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