Ein zerstörtes Werk nach dem Krieg


Ein neuer Anfang

Nach Ende des Krieges waren von den 8000 Arbeitern noch 400 übrig geblieben und das Betriebsgelände war zerstört. Der von der Stadt eingesetzten und von den Besatzern bestätigte Treuhänder, Verkaufsdirektor Schindelhauer, ließ die Trümmer beseitigen, Notdächer bauen und alles brauchbare Material retten.
Aufgrund seines Geschicks im Umgang mit den Besatzungstruppen und seiner unbelasteten Vergangenheit war es Schindelhauer möglich nach und nach die Produktion von Lastwagen wieder aufzunehmen.



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Borgwards werden auf die Schiene verladen

Der 58-jährige Borgward erhielt 1948 die Erlaubnis zurück sein Unternehmen zu führen. Er ließ sofort weitere Werke in Sebaldsbrück und Hastedt wieder aufbauen. Seine Firma wandelte Borgward nun in drei GmbHs um, die "Goliath GmbH", die Lloyd-Maschienenfabrik GmbH" und die "Automobil- und Motorenwerke Carl F.W. Borgward GmbH". Nun erhielten seine drei Unternehmen die dreifache Rohstoffmenge.
Im Borgward-Werk Sebaldsbrück wurden nun Lastkraftwagen, im Goliath-Werk ein erfolgreicher dreirädriger Lieferwagen und in der Lloyd-Maschinenfabrik Spinnereimaschinen, Webstühle und Elektrokarren gebaut.

 



Die Karosserie des Lloyd LP 300

Mit dem "Hansa 1500" stellt Borgward 1949 die erste deutsche Nachkriegskonstruktion eines Personenwagens auf dem Genfer Autosalon vor. Dieser besaß eine völlig neue Pontonform und die gerade von der Firma Bosch entwickelten Blinkleuchten, die den vorher üblichen Winker ablösten. Trotz der ungewöhnlichen Form fand der Wagen sowohl im Inland, als auch im Ausland zahlreiche Abnehmer. Borward hatte den Anschluß an die internationale Konkurrenz gefunden und um dieses zu unterstreichen ließ er vom Hansa 1500 noch einen Rennsportwagen bauen.
Für die Käuferschicht mit geringerem Einkommen wurde der "Leukoplastbomber" Lloyd LP 300 gebaut, ein Fahrzeug mit Holzkarosserie und 10 PS leistenden 300 cm³ Motor.

 



Das Lloyd Motoren Werk

Wieder einmal wurde der Platz auf den Goliath-Werken, auf dem sich auch die Lloyd-Produktionsstätten befanden knapp. Daher wurde die "Lloyd-Maschinenfabrik GmbH" auf ein neugekauftes 20.000 m² großes Grundstück in Bremen-Neustadt umgesiedelt und nach Aufgabe der Produktion der Textilmaschinen in "Lloyd-Motoren-Werke GmbH" umbenannt.
Die Produktpalette wurde in allen drei Unternehmen Borgwards immer weiter ausgeweitet und modernisiert, so daß schließlich Fahrzeuge für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel von Borgward geliefert werden konnten. Dank der hohen Produktionszahlen konnten sogar Anfang 1950 die Preise für LKW's zwischen 300 DM und 1800 DM gesenkt werden.

 



Der Kleinlaster "Rastrojero"

Schon früh hatte Borgward wirtschaftliche Beziehungen zu Argentinien geknüpft, was sich 1954 mit der Gründung der "Borgward Argentinia S.A. Industrial" auszeichnete. Das Grundkapital wurde je zur Hälfte von Borgward und argentinischen Wirtschaftskreisen eingebracht. Für die Ausrüstung des Unternehmens sorgte Borgward, während Argentinien 14.000m² Land und Gebäude zur Verfügung stellte. Dort wurde dann der Kleinlaster "Rastrojero" gebaut.
In den folgende Jahren expandierte die Borgward-Gruppe immer weiter, wobei auch eine möglichst große Unabhängigkeit von Zulieferern angestrebt wurde. So gründete Borgward z.B. 1955 die "Carl F.W. Borgward-Leichtmetallwerke".

 



Die Entwicklungsabteilung für Hubschrauber

Der hohe Exportanteil an der Produktion und eine schwache Wintersaison auf dem Inlandsmarkt führten dazu, daß Ende 1955 2000 gerade neu eingestelle Arbeiter wieder entlassen werden mußten. Dennoch entschloß sich Borgward mit Mittel aus dem Lastenausgleich eine Produktionsstätte für Spezialkarosserien aufzubauen.
In dieser Zeit begann auch die Entwicklung eines eigenen Hubschraubers zusammen mit dem erfahrensten deutschen Flugzeugkonstrukteur Prof. Focke.

 



Die Borgward Isabella TS

Bis 1959 ging es dann nach der Einführung der "TS" und "de Luxe" Modelle der Isabella immer weiter bergauf. So waren in diesem Jahr ca. 20.000 Menschen bei Borgward beschäftigt und produzierten 104.410 Fahrzeuge, die einen Umsatz von 632 Mill. DM brachten. Das Angebot des amerikanischen Chrysler-Konzerns, die Werke als Ganze zu erwerben lehnte Borgward natürlich ab.

 



Der Borgward-Stand auf der 36. IAA in Frankfurt 1953

Während die Marke Borgward selber nach der Einführung des "P 100", einem, luxuriösen, großen, PS-starken Wagen, weiterhin Gewinne erzielte, begannen bei Goliath und Lloyd die Verlustgeschäfte. So schädigten Anfangsschwierigkeiten bei der Einführung der "Lloyd Arabella" nicht nur den Ruf des Unternehmens, sonder kosteten auch Millionen. Den Goliath Fahrzeugen haftete immer noch der Ruf der kleinen, billigen Dreiräder an, welche in der Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs nicht mehr gefragt waren.
Obwohl die Borward-Gruppe ein lückenloses Programm an Fahrzeugen anbot, deren technische Qualitäten sich nicht vor der Konkurrenz zu scheuen brauchten, gingen die Verkaufszahlen immer weiter zurück, besonders stark in den USA.

 



Ein Abstellplatz mit überschüssigen Autos

Durch Kredite der Stadt Bremen konnte die Produktion, wenn auch gedrosselt bis Ende 1960 aufrecht erhalten werden. Dann drangen die Finanzprobleme der Borgwardgruppe an die Öffentlichkeit, was zu einer Verunsicherung der Händler, Lieferanten und Kunden führte. Auch eine Straffung der Geschäftsführung, Entlassungen und weitere Kredite konnten die Borgward-Gruppe nicht mehr Retten.
Nach einem Bericht des durch die Stadt Bremen eingesetzten Wirtschaftsprüfer Dr. Semler verweigerte die Stadt jeden weiteren Kredit. Sie forderte statt dessen die komplette Übergabe des Unternehmens an die Stadt und erklärte sich dafür im Gegenzug bereit den Betrieb weiterzuführen. Da mehrere Versuche zuvor das Unternehmen zu verkaufen gescheitert waren, nahm Borgward das Angebot an und sicherte so seinen Arbeitern vorerst ihre Arbeitsplätze.

 



Das Borgward-Werk Sebaldsbrück

Anstatt das Unternehmen auch durch unpopuläre Maßnahmen wie Entlassungen zu sanieren, versuchte Dr. Semler persönlich in aller Welt die Borgward-Gruppe zu verkaufen. Nachdem auch die letzte Verhandlung mit Chrysler gescheitert war, wurde am 28. Juli 1961 das vorläufige Vergleichsverfahren eingeleitet und 12.600 Arbeiter erhielten ihr Kündigungsschreiben.
Eine Borgward Interessengemeinschaft, bestehend aus Händlern, Lieferanten, großen Banken und Kunden, versuchte das Werk Sebalsbrück für 90 Mill. DM aufzukaufen, das Angebot wurde jedoch vom Bremer Senat abgelehnt. So wurde am 11. September 1961 das Konkursverfahren eröffnet, was das endgültige Aus der Traditionsmarke Borgward bedeutete.

 

Die Bilder sind dem Buch "Vom Blitzkarren zum Großen Borgward" von Peter Michels entnommen. Wir bedanken uns recht herzlich.
© by Oldtimer Garage Henry Preneux . info@borgward.com . www.borgward.com